Anlagestrategie

15.03.2010 März 2010

Leichter Rückgang der Nervosität seit einem Monat


Anlagestrategier

    Die massive Korrektur zum Jahresbeginn endete am 8. Februar und mündete in eine Phase von relativer Ruhe, die von einer Zunahme der Risikoaversion geprägt war. Die Börsenindizes verzeichneten wieder einen Aufwärtstrend, doch diese Dynamik war nicht homogen in allen Bereichen, so dass die Rückkehr zur Ausgangssituation vor der Korrektur noch nicht abgeschlossen ist. Fakt ist, dass zwei der Hauptkatalysatoren der Aktienmarktkorrektur im Januar noch immer im Fokus der Finanzmärkte stehen: zum einen die Sorge über Griechenland trotz der von den EU-Behörden zugesagten Unterstützung im Bedarfsfall und zum anderen die eher enttäuschenden Konjunkturdaten.

    Nachdem die offizielle Rhetorik in Griechenland mehrere Wochen lang relativ vage blieb, wurden die am 3. März angekündigten drakonischen Sparbemühungen und Verpflichtungen zur Reduzierung des Staatsdefizits eher positiv aufgenommen. Allerdings hielt die Ungewissheit auch nach der massiven Überzeichnung der griechischen Anleihenemission im Volumen von 5 Milliarden Euro an. Die Konjunkturindikatoren fielen insgesamt, vor allem aber in der Eurozone, enttäuschend aus, wo sich die Wirtschaft nur sehr schleppend aus der Rezession herausarbeitet und die Erholung offenbar überwiegend von der Auslandsnachfrage abhängt. Die US-Wirtschaft erhält dagegen durch die Erholung ihres Industriesektors Auftrieb, während die Arbeitsmarktlage und der Immobilienmarkt noch immer schwächeln und die Formulierungen der Währungshüter hinsichtlich der Konjunktur immer noch sehr vorsichtig klingen.



Auf kurze Sicht keine Veränderung der Positionierung in riskanten Anlagen


    Die Investoren passen ihr Szenario allmählich an die neuen Gegebenheiten an. Die Hypothese einer graduellen Verlangsamung des internationalen Wachstums bestätigt sich allmählich, da die Erholung des Industriesektors noch nicht auf die Gesamtwirtschaft der Industriestaaten durchschlägt. Der schrittweise Ausstieg aus der extrem expansiven Geldpolitik zur Stützung der Finanzmärkte deutet darauf hin, dass diese angesichts der besseren Funktionsweise der Märkte mittlerweile nicht mehr erforderlich ist. Außerdem dürften die Investoren zur Einsicht kommen, dass Griechenland von seinen europäischen Partnern aus politischen Gründen nicht im Stich gelassen wird.

    Obwohl die Hauptprobleme, die seit Jahresbeginn im Fokus stehen, nach wie vor Bestand haben, dürften sie von den Investoren in den kommenden Wochen in einem anderem Licht gesehen werden, was den Börsen vorerst zu einer Atempause verhelfen könnte. In diesem Zusammenhang sei beispielsweise angemerkt, dass zwei Vektoren der Börsenkorrektur im Januar, d.h. die Pläne der Obama-Regierung zur Beschränkung der Eigenhandelsaktivitäten der Banken („Volcker-Regel“) und die Verschärfung der Kreditbedingungen durch die Bank of China, in der Folge offenbar kaum noch Beachtung fanden.



Ungünstigeres Umfeld ab dem zweiten und dritten Quartal


    Die jüngste Verunsicherung ist eine Reaktion auf die Fakten: Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in den Industrieländern, Verschlechterung der Staatsfinanzen, die Sparmaßnahmen, die einen strengen Sparkurs erfordern und die allmähliche Normalisierung der Geldpolitik, obwohl die Leitzinsen mindestens bis zum Jahresende niedrig bleiben werden. Auch wenn die Gefahr einer Rückkehr der Rezession und möglicher Staatsbankrotte unserer Auffassung nach vorerst gebannt ist, können wir uns nur schwer vorstellen, dass die Investoren angesichts dieser neuen Rahmenbedingungen auf Dauer die Nerven behalten werden.